Am Abend wurden nämlich noch Verabredungen getroffen.
Das Sonnenkind wurde gleich am Morgen mit einer
Überraschung überrascht.
Nur einen Sprung weit:Köpenick.
Eine Blondine erwartet Sarah schon aufgeregt.
Es folgen 6 Stunden Lego, Puppen puppen, schaukeln,
toben, kochen und essen, klettern, rennen. . . .
Am ende kann auch die kleinste Dame die "Feuerwehrrutsche"
ganz alleine hinab huschen.
Die Verabschiedung fiel heute dann mal nicht ganz so traurig aus.
Alle Tiere füttern, Abendessen auf Balkonien.
Die Amsterdam Fotos anschauen, kuscheln.
Und heute vor einer Woche?
Ich werde wach, das Kind liegt neben mir und döst noch. Durch die dicke dunkle Übergardine blitzt es hell durch. Nacht? Scheinwerfer? Wie spät ist es denn bloß? Was muss das gestern für ein aufregender und anstregender Tag gewesen sein? Wir, ich habe 11 Stunden durchgeschlafen, das hatte ich seit wenigstens 5 Jahren nicht mehr. Ausgerechnet jetzt verschlafe ich kostbare Zeit. Ich schleiche ins Bad. Nur wenig später ein zaghaftes rascheln, das Herzenskind.Es schaut mich ein bisschen komisch an und hat die Vorhänge aufgezogen. Die Sonne scheint groß und breit auf uns herab. Hat sie mir wohl gestern nicht geglaubt, dass uns ab heute die Wärme begleiten wird was! Pha. Ich zwinkere ihr zu. Sie kichert zurück.
Beim Frühstück lachen uns schon unsere neuen Lieblingsbrötchen "zachte witte bol" von weitem an.Wir sitzen am Fenster und stärken uns für die erste wirkliche Stadteroberung.Belesen habe ich mich im Vorfeld natürlich, knapp 800.000 Einwohner, Hauptstadt, an der Nordsee, am Meer, doch das, was uns später erwartet sprengt alles.
Um neun Uhr stehen wir an der Fähre und fahren gen westen. Wir befinden uns irgendwo im Nirgendwo. So mögen wir es am liebsten. Einen Anfang wählen, Arme ausbreiten, fallen und treiben lassen. Nicht den Hauptpfaden folgen, dem Vorgeschriebenem, sondern dahin, wo die Beine, die Augen uns treiben. Wir anderes und besonderes vermuten und meist wunderbar belohnt werden.
Der Westerpark nimmt uns in Empfang. So viel grün. Verrinnende Zeit. Broudersgracht. Hah! Ein Spielplatz auf zwei Booten. Großartig. Wir probieren gleich alles aus. Wippen, klettern, schaukeln. Nach einer kleinen Ewigkeit ist die kleine Dame bereit weiter zu gehen. Hierlang, dalang, laufen, schieben, tragen, stehen, staunen…plötzlich die Prinsengracht. Keine Ahnung wie die hier her kommt. Das Anne Frank Huis. Bekloppt, die Leute, die freudestrahlend und grinsend mit einem Fingerzeig, auf das „Anne Frank“ Schild, Fotos von sich machen lassen. Sowas hab ich noch nicht gesehen, versteh es nicht, muss ja auch nicht, kann ja jede/r machen wie er/sie will. Doch: was sagt mir der Daumen nach oben?… So strahlend…war das damals nicht….Mir wird ein bisschen schlecht. Ich gucke wohl ziemlich doof, das Kind zerrt an mir, will wissen was hier los ist. Ich erkläre Sarah einige Namen, Fakten. Sie schwankt zwischen „aha“ und entsetzen. Darf ich meinem Kind schon sagen, dass es böse Menschen gab die andere umbrachten, und das Kind auf dem Foto fror, verhungerte. Grübelnd schiebe ich den Wagen an der zig Meter langen Menschenschlange vorbei, die wartet, um in das Haus zu kommen. Fast bis zum Abend ist Sarah immer wieder mit Anne, dem nichts zu essen und dem Buchregal gedanklich beschäftigt. Immer wieder fragt sie, setzt Teile anders zusammen als ich, als Sie. Kleine, doch große ratternde, schlaue Köpfchen haben unsere Kinder! Können sie glauben!
Wir besuchen Westkerk, das Homomonument, das Tulpenmuseum. Kaisergracht. Ursprünglich war das alles für morgen gedacht…so in etwa…dieses Viertel. Alles ist so nah. Liegt eng beieinander.Bloomenmarkt. Zwiebeln, Tulpen, Hibiskus, Rosen, Lavendel, Hippeastrum…..so weit das Augen schauen kann. Eine schrecklich wunderbare bunte Flut, ein ganzes Blumenmeer. Natürlich NUR für uns!!! Das Kindchen ist müde, Wagen umbauen, zudecken. Vorsichtiger schieben.Ich wandere noch ein bisschen umher. Hier an der Gracht rechts die Straße, die sieht klein und fein aus. Ich halte die Luft an und tauche in die Spiegelstraat ein. Wie sich heraus stellt, die Straße der Kunst und Schönen Dinge. Atteliers, Bilder, Bücher, Handwerk, Schmuck, Tassen, Tässchen….. . In langsamen Zügen schwimme ich mit glänzenden Augen vorwärts und tauche erst am „Hänsel und Gretel“ auf, um selbst auch ein wenig Rast zu machen.Parken. Hinsetzen. Beine hoch.
Ich habe ein Buch und Musik in der Tasche. Lasse jedoch beides an diesem Platz, schiebe es enger zusammen, damit ich so viel wie nur möglich an "Stadt" in die Tasche stopfen kann, zum mitnehmen, nur für mich. Ich horche in die Stadt und blinzel in sie hinein.Kann mich nicht satt sehen. Die Häuser, sie sind so ganz anders hier. Klein. Schmal. Schick. Angenehme Farben. All die verzierte Giebel, deren vier Grundformen immer wieder auszumachen sind. Die verzierten Türen. Wunderschöne geformte Geländer. Alles so mit viel Liebe gemacht. Irgendwie so. Mein Herz wird groß und ganz warm.Es fasziniert und berührt mich, wie Menschen hier mit ihrem Lebensumfeld umgehen. Die" Bruins" -urige Cafe's, Heinecken ,Genever, auch alles typisch und "Erfindungen" Hollands. Die Straßen sind schmal, die Fußgängerpfade genau richtig und vor allem so sauber. Nicht einmal werden wir in diesen fünf Tagen Hundescheiße sehen. Die Radwege sind überall. Sie sind breit und immer gut befahren. Fantastisch. Die Grachten. Wunderschön mit all den Booten, Hausbooten, Gärten auf Paletten. Balkonen.Die Menschen? Freundlich. Sieht man schon nur aus als würde man nicht weiter wissen, fragt jemand freundlich in diesem „ch ch ch“ cholländisch, ob man helfen könne. Weniger Hektik, mehr entspannte Gesichter. Oder?
Die Stadt welche ca 4 m unter dem Wasserspiegel, aber auf dem Wasser auf mehr als. 5 Mio Pfählen gebaut ist, sie saugt mich in allen Momenten auf, ich versinke regelrecht in ihr. Schon jetzt erste Momente des Wehmuts. Ich habe mich hoffnungslos verliebt.
Der Wagen, er wackelt. Ein verstrubbelter Kopf schaut grinsend hervor. Ausgeschlafen,mit großen,leuchtenden Augen, mein Sonnenkind. Sie möchte gleich erstmal wissen wo wir uns eben befinden und findet es genial, bei Hans und Gretel Mittagessen zu bestellen. Witr sitzen eine kleine Ewigkeit in der Sonne, entspannen, lassen es uns gut gehen und werden eins mit Amsterdam.
Vor uns liegt das Rijksmuseum. Groß, ein wenig düster sieht der Komplex aus. Aber auch cool, eine Solaranlage ist auf dem Dach. Vom Gebäude kann man nur einen ganz kleinen Teil betreten und besichtigen, dastun wir auch, es wird noch bis 2013 renoviert. Dahinter befindet sich eine riesige Wiese, ein Spielplatz und ein Wasserbecken, welchens mit lauem Gebrüll von Sarah erobert wird. Die Klamotten fliegen in hohem Bogen durch die Luft und schon rennt die kleine Dame im kühlen Nass herum. Ich sitze am Rand, schaue zu, fotografiere, döse.
Später schauen wir nebenan im von Gogh Museum vorbei, sehen das Stedelijk Museum und werfen einen Blick ins Diamond Haus. Das alles zusammen ist nicht schwer, es liegen nur wenige Meter dazwischen.Wir laufen einfach wieder drauf los. Suchen nichts und finden: Madame Toussou, die Nieuwe Kerk , De Dam. Von dem Marktplatz will das Kind gar nicht mehr weg. Gaukler, verkleidete Gestalten, Künstler, Musiker. Wir sitzen auf dem Pflaster und verweilen. Zeit spielt keine Rolle.
Langsam wird es spät. Wir sehen Centraal Station vor uns und biegen doch nach rechts ab, Wasser. Und : The Wallen. Eine Straße weit gehen wir rein. Interessant was es hier so zu sehen gibt. Allerdings guckt das Kind komisch, fragt, ob "die" kein Geld für Sachen hätten und wir werden ebenfalls skeptisch beäugt. Hm.... okay, ich gebe mich geschlagen, mit dem Kindchen sollte ich nicht weiter ins Rotlichtviertel gehen. Wir starten unseren Abendesseneinkauf und eine Fährenfahrt mit kreischenden Möwen um uns herum später, ist auf unserem Bett der Tisch gedeckt, mit allerlei Leckereien. Das Kind bringe ich frisch geduscht und duftend ins Bett. Es kuschelt sich dicht an mich. Während ich den Tag im Reisetagebuch vermerke, genieße ich ich immer wieder diesen herrlichen Ausblick, auch in dieser liegenden Position, auf die Stadt und Sarah's Atem streicht leicht und kühl meinen rechten Unterarm.
Zwei in Amsterdam. Unendlich glücklich.
3 Kommentare:
Da reist man beim lesen mit und ist ganz nebenbei noch zu Tränen gerührt.
Schreib endlich Bücher, du olle Ziege!
zzzzttttt wenn dir ma nicht ne lange Nase wächst Fräulein! Von wegen belesen vorher :D Das Thema EW hatten wa doch ausgiebig :) Ich hau mich weg!
es gehört ein bisschen mehr zum schreiben von büchern, als sich in urlaubskauderwelsch in form von aufgeschriebenen erinnerungen für in 20 jahren zu übern... aber danke. ;-) ha ha ha.
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