Sonntag, 16. Februar 2014

Vom leben des Lebens

 
Wissen Sie, Tage, Wochen vergehen, Jahre fliegen an einem vorbei. Manchmal sehr, sehr langsam und manchmal viel zu schnell, ja gar rasant.
Manchmal gibt es ja besondere und außergewöhnliche Zeiten, die eigentlich völlig normal und unspektakulär von außen betrachtet werden könnten.
Bei uns sind es oft gerade die "Wegezeiten". Zeiten in denen wir zusammen Wege zurück legen und reden. Oder diskutieren, oder streiten, lachen und witzeln, philosophieren, nachdenken oder schweigen.
Diese Zeiten haben wir ja täglich. Allein schon der Schulweg, nicht wahr. Und dann noch all die kleinen Hin und Her's die man so zu bestreiten hat.
Kinder suchen ja ständig nach Erklärungen für einfach alles. Und wenn man verstanden hat, das Wege auch Ziele sein können, dann verändert sich alles.


Die vergangene Woche begann mit einem langsamen Augenaufschlag früh am morgen, im dunkeln. Es folgte ein schlürfender Gang hierhin und dahin und wenig später ein herzhafter Biss in ein unglaublich weiches, französisches Brötchen, welches sogleich die Sehnsucht nach Amsterdam erneut in das kleine Herz einpflanzt. Haben sie die leuchtenden Augen und die Grübchen um den Mund herum gesehen? Tja, ich schon, ich saß nämlich still beobachtend, zufrieden gegenüber.
Zu Schwanensee auf halben Spitzen hatten die Zuckersüßen fast noch alle einstudierten Schritte im Kopf und waren stolz. Kleberchen wurden verteilt und das Sonnenkind trabte graziös mit einem Extra-Pferdchen an. Der Heimweg,der gerade an kalten oder regnerischen Tagen so furchtbar lang sein kann, kam uns an diesem Tage einfach viel zu kurz vor, da ich die Frage des Kindes: "Wenn ich mal groß bin und woanders wohne und du alleine wohnst und stirbst, wer sagt mir dann bescheid das es so ist und ich Tschüß sagen komme?" nicht ausreichend beantworten konnte. Beim Abendessen allerdings konnten wir uns dann auf einen guten Mittelweg einigen und werden in knapp hundert Jahren erfahren, ob wir recht behalten werden.
Am Dienstag schmetterten wir die Tischtennisbälle ohne Gnade ganze vier mal hin und her ohne das wir unterbrechen mussten. Einfach großartig! Im letzten Herbst gingen selbst die Angaben daneben. Während ich in der Sonne saß, bekletterte Sarah das Häuschen und genoss den herrlichen Ausblick, winkte vom Dach.
Am Mittwoch dachte Sarah schon kurz nach sieben darüber nach, welche Farbe, und vor allem wie, die unsichtbaren  Leitungen vom Internet bis in den Himmel gehen und wieder zurückfinden. Ruhe am Morgen ist eins meiner favorisierten Möglichkeiten, aber  Sprachlosigkeit mag ich an mir auch nicht.
An dieser Stelle geben wir ein großes "Hoch" auf die Technik, denn sie beinhaltet so tolle Möglichkeiten wie Videotelefonanrufe, welche wir in dieser Woche ganze zwei begeistert abhielten.
Am Donnerstag gab es Tee zum Halsweh, einen grauen Schal und jede menge Obst. Auf einer Couch, eingetaucht in tausend Kissen, fest aneinander geschmiegt, bis sanft eingeschlummert wird. Es wäre ganz wunderbar, wenn man genau diese Moment festhalten könnte, in ein großes Einmachglas gestopft, für später, zum wieder rausholen und weiter anknüpfen.
Am Freitag stiegen 3 Damen in unseren hohen Turm hinauf. Nach dem spektakulären "OpaPaulNudeln" Abendessen reichte ein völlig dunkles Zimmer und eine Taschenlampe, um kleine Ewigkeiten mit Erstaunlichem zu füllen. Sanft gebettet lagen Kinderkörper auf dem riesigen Sofa, schnatterten und schlummerten irgendwann einfach ein.
Kindermünder plappern bekanntlich viel drauf los, besonders wenn sie ausgeruht sind. Gewitzte Fragen und Antworten schon am Morgen. "Warum schmeckt die Erdbeermarmelade nach Vanille?" und "Wie sieht es in einem Ei aus, was man eine Minute kocht?"
Die Umgestaltung des Wohnzimmers in einen orientalischen Basar mit Decken und Kissen war binnen weniger Minuten abgeschlossen und sogleich wurden wundersame Malereien kreiert.
Kurz vor Mittag wanderten wir dann endlich zur Bibliothek. "Warum hat das Alphabet 26 Buchstaben wohingegen die Zahlen unendlich sein sollen.... ? Was ist Unendlich? Wenn es zu ende ist, geht's dann weiter? Eine Erklärung bitte! Aber schnell, wir sind ja gleich da....... ."
Wir steigen in den Fahrstuhl, obwohl wir uns jedes mal neu schwören, da auf dem Weg nach oben nicht mehr einzusteigen. Wissen sie, es ist so eine Sache mit dem Fahrstuhl und seinem Weg nach oben. Wir steigen immer, wirklich immer, in der E Etage ein, drücken die vierte Etage Taste und fahren los. Aber wohin?  Nach unten! Jemand steigt ein. Der Fahrstuhl ruckt und wir fahren endlich nach oben. Falls sie jetzt denken, wir kommen gleich an...., wir halten in der E Etage an. Hach wie schön, die kennen wir ja schon, da sind wir grad eingestiegen. Jemand steigt ein. Wir fahren. Nach oben. Doch der Weg ist ein kurzer. Wir halten in der ersten Etage. Großartig, wir kommen unserem Ziel näher. Bald sind wir da. Jemand steigt ein. Knöpfe werden gedrückt. Und wir fahren.....nach ...... unten. Nach unten! Wir rollern mit den Augen und grunzen laut ein "nüöööööhhh!" . Nachdem wir noch mal in der E gelandet sind, fahren wir endlich nach oben in die Vier und wir schwören uns erneut, wie schon hundertmal davor, nie wieder den Fahrstuhl zu benutzen. Erleichtert, durchgeschwitzt und ein bisschen geschafft durchschreiten wir den Glasflur und können all das Papier schon förmlich riechen.
Regale voller Bücher. Hinten, vorn und oben und unten. Hier und da. Klein, groß. Dick, dünn.   
Blättern, rascheln, gucken, lesen. Zwischendurch schauen wir immer wieder über die zum Teil  Moos-Bewachsenen Dächer unserer Stadt. Das Rote Rathaus, die Twin's, ..... ach, eben so das Typische und was man in der Skyline von da oben aus halt so sieht.
Über die Rolltreppen schweben wir heimwärts, verweilen hier entspannt beim nichts tun und Würfelspielen, bis der Sonnenschein Obst schnippeln mag, für einen Salat, für unser Kaffee-Mitbringsel etwas später.  Ja, und dann machten wir uns auf den Weg zu den Friedrichshainern. Vier am Tisch und nebenan Eins gepuckt am schlafen.
Wir haben unsere neuen Glasmalstifte mitgebracht. Diese werden an der herrlich großen Balkontür ausprobiert, währenddessen schlummert das Kleinste in meinen wiegenden Armen ein. Bevor der Abend hereinbrach schlossen wir unsere Wohnungstür auf und begannen augenblicklich mit den Vorbereitungen für einen unserer seltenen, besonderen Filmabende.
Dieser begann dann um einiges später als geplant, und das kam so:
Wir waren beim gucken aufgeregt, und erschrocken, furchtbar traurig und haben Tränen gelacht: ET.
Ein Klassiker, ohne Frage. Ebendiese kann man nur mit selbst gemachtem Popcorn gucken, alles andere wäre frevelhaft. Somit standen wir Damen vor der Mikrowelle und warteten geduldig bis sich der Papierbeutel aufblähte und die Knallerei losging. Kurz bevor die Tüte platzte und die ersten weißen Flocken herauspurzelten, wurde alles in eine große Schüssel gekippt. Bei solch Leckereien ist es immer sehr schwierig ganz genau zu teilen und wir müssen immer lange hin und her diskutieren und umverteilen. Erst wenn sich unsere zwei kritischen Blicke  stimmig sind, ist es gerecht. In der großen Schale lagen nun aber noch so einige harte, nicht geplatzte Maiskörner. Wie sieht das eigentlich aus wenn die platzen? Man könnte genau eins, ganz genau in die Mitte der Mitte der Mikrowelle legen, die sichernde Schutztür schließen und auf an stellen. Wir wissen nicht so ganz genau wie sich das Korn fühlte, aber es war sicher aufregend, so im Mittelpunkt, von Teller großen Augen beobachtet. Und dann passierte:
Nichts.
Es lag einfach nur da. Wollte nicht springen. Wir starteten Versuch zwei und drei. Sollte es etwa einen Grund haben, warum immer einige Körner eben einfach nicht platzen? In jeder Tüte? Aber welcher Grund wäre das? Zu klein, zu hart, zu alt? Also früher, da haben wir ja... .
Pling!!!
Nicht im elektrischen Gerät, aber in meinem Hirn.
Jaaa, genau. Es gab keine Mikrowellen, aber es gab Pfannen und Deckel.
Also buddelten wir die kleinste Pfanne aus dem untersten Schrank und gaben etwas Öl hinein. Hm, wenn jetzt der Deckel drüber kommt, dann ...(sie ahnen ja?)ist das kein guter Beobachtungsblick. Jedoch keine wirklich gute Hausfrau möchte in der frisch gewienerten Küche etwas anstellen, welches das glänzende Ergebnis der Arbeit ruiniert. Aber jede wissenschaftliche Aufgabe fordert uns zu neuen Extremitäten heraus und somit wagten wir wagemutig das "oben ohne Popcorn Experiment". Anstellen, auf volle Pulle. 8 ungepuffte Körner lagen bewegungslos da drinnen.
Und lagen und lagen. Kleine Rauchschwaden qualmten das Öl hinfort. Vielleicht ein bisschen schütteln? Wir starrten fasziniert in diese brodelnde Pfanne und kniffen, auf jeden Angriff  der Körner bereit, die Augen zu kleinen Schlitzen zusammen. In genau diese gespannte Stille platzte plötzlich das erste Korn und flog in hohem Bogen durch die Luft. Die Restlichen hinterher, natürlich in verschiedene Richtungen.  Angespannte Ruhe, angestrengtes auf den  Boden starren, vorsichtiges anblinzeln. Was denkt die Gegenüber grad? Befreites, prustendes Lachen. Tja, was macht man wenn die Küche ausschaut wie ein Saustall? Ganz einfach, man setzt noch eine Pfanne explodierendes Popcorn an und schaut kreischend zu und startet dann einfach den Film, in der Hoffnung, die Hauskobolde würden aufräumen.
Mit den ersten Sonnenstrahlen des heutigen Tages, und dem betreten der Küche, ward schnell klar, nach dem Neunuhrinderfrüheschlittschuhlaufen müssen wir putzen. Warme Sonnenstrahlen begleiteten uns auf der Eisfläche und ermunterten uns zu Schlängel-und Rückwärtsfahrten. Später überkam es Sarah Muffins zu backen. Unter Anleitung schaufelte, schippte und rührte das Kindchen. Pampte und kleisterte und zählte dann die Minuten des backen's und abkühlen's um dann endlich mit der Tülle die Creme in Kringeln aufzutragen und mit sämtlichen Dekoratiensmöglichenkeiten die die Küchenlade hergab zu verzieren. Ein grandioses Ergebnis! Drei Muffins waren schon erledigt bevor wir zum Spielplatz aufbrachen.
Zufrieden rollten wir uns später in's Sofa und chillten einfach nur.
Was für eine Woche!
Und morgen startet schon das nächste Abendteuer.

In all diesem alltäglichen steckt  immer ein bisschen etwas besonderes.
Das kann ungemein glücklich und vor allem froh machen.
Man muss nur darauf achten und es finden.


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